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Shopping-Bummel auf der Spittaler Straße
Foto: Dirk Eubel, CC-Lizenz BY-SA 2.0 Mode ist “Big Business”. Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist nach Lebensmitteln die zweitgrößte Konsumgüterbranche. Rd. 50 Mrd. erwirtschaftet die Modeindustrie pro Jahr in Deutschland. Gut 130.000 Menschen arbeiten in rd. 20.000 Unternehmen — bis hin zum kleinen Modegeschäft.

Größter Wachstumstreiber ist der Modehandel im Internet. Mehr als 13 Mrd. Euro setzten die Moderiesen online 2015 in Deutschland um. 15% jährliches Wachstum sind für die Onlinebranche ganz normal.

Aus Hamburg mit dabei: Bon Prix, der Otto Versand und seine jungen Ableger von Project Collins, allen voran About You. Die Zuwachsraten und Neugründungen zeigen: da geht was! Das haben sich auch die 3 Gründer der Hamburger “Fashion Cloud” gedacht. Ein spannendes Startup mit einer noch spannenderen Geschichte:

Alles fängt an, wie immer: Drei junge Gründer haben Lust, in Hamburg ihr Ding zu machen. Startup-Berater Felix vom StartupDock der TU Hamburg bringt sie mit ihren Ideen zusammen. 2014 entwickeln sie eine App, um Lieblingsklamotten in der Fußgängerzone zu finden.

3 Monate probieren sie die Idee aus — und stoßen auf ein gewaltiges Problem, dass ihren weiteren Weg prägen wird: Die Händler vor Ort finden die App klasse, wollen sie gern einsetzen, haben aber keine Produktfotos für die Datenbank. Was niemand ahnt: Hinter dem unscheinbaren Problem verbirgt sich eine Industrie, die in der Steinzeit stehen geblieben zu sein scheint.

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Co-Founder der Hamburger “Fashion Cloud”: Martin Brücher
Foto: Fashion Cloud Von Endkunden-App zur B2B-Plattform

Florian, Martin und René stoßen auf eine Goldmine — eine Industrie, die junge Talente und digitale Ideen gebrauchen kann. In der Textilindustrie gelten alte Regeln, werden fröhlich Faxe verschickt. Die drei Gründer gehen 2015 in den “SpeedUP! Europe” Accelerator der Europäischen Union, bekommen 50.000,- €, ohne Anteile abgeben zu müssen.

In den folgenden Monaten wird aus der App eine Plattform, aus der Endkunden-Sicht ein B2B-Business. Die Modegrößen Daniel Hechter und Marc O’Polo sowie das norddeutsche Modehaus Ramelow aus Elmshorn mit seinen 7 Standorten gehören zu den ersten Kunden.

Textilindustrie, Software und Wirtschaft

Das junge Team bringt alles mit, was man braucht: Know-how aus der Textilindustrie, aus der Softwareentwicklung und der Betriebswirtschaft. Textilbetriebswirt und LDT Nagold-Absolvent René Schnellen ist dank seiner Beraterlaufbahn ein echter Branchenkenner, Dipl.-Ingenieur und TU Hamburg-Absolvent Martin Brücher kümmert sich um Finanzen und Marketing, Informatik-Ingenieur und Software-Entwickler Florian Klemt ist das “Tech-Brain” im Team. Im Sommer 2015 kommen 2 Business Angels aus der Modebranche an Board, die das junge Team mit Know how und wertvollem Support nach vorn bringen.

Eine Plattform für Hersteller und Modehäuser

Nach der Lean Startup-Methode baut das Hamburger Team eine Plattform für Modehersteller und Handelshäuser auf, entwickelt nach und nach weitere Features, muss bis heute kein einziges Modul einstampfen. Der Nutzwert: Hochwertige Produktfotos der neuen Kollektionen für die Modehäuser vor Ort, die keine eigenen Produktfotografen haben.

Im Januar 2016 launchen sie auf der Berliner Fachhandels-Modemesse “Panorama” die B2B-”Fashion Cloud”-Plattform. Das Geschäftsmodell: Händler können über die “Fashion Cloud” die aktuellsten Produktfotos herunterladen, in ihre Warenwirtschaft einbinden und für die Werbung nutzen.

Die Nachfrage gibt ihnen Recht. Mehr noch: “Wir waren uns sicher, das es genutzt wird,” bekräftigt Geschäftsführer Martin Brücher im Interview mit HANSEVALLEY. Mehr als 30 stationäre Händler einschl. der Branchenriesen AppelrathCüpper und Peek & Cloppenburg Hamburg macht den drei Startuppern von Anfang an Mut.

Mit dem neuen Jahr zünden sie die nächste Stufe: Ab sofort können Markenhersteller mit einem Premium-Account zusätzliche Services in Anspruch nehmen. Aktuell sind auf der Plattform mehr als 200 Marken — wie die Bestseller-Group, Betty Barclay, Brax, Mac, Marc O’Polo, S. Oliver oder Seidensticker.

Von Schnappschüssen zum Moderegal

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Order auf der Modemesse “Supreme Kids”
Foto: Mrybka Visualizing Photography
CC-Lizenz BY ND 2.0
600 Händler aus 20 Ländern nutzen die “Fashion Cloud” für ERP und Marketing, 80% z. Zt. aus Deutschland. Es sind regionale
Platzhirsche, wie Engelhorn in Mannheim, L&T in Osnabrück, Leffers in Oldenburg oder der Modepark Röther aus Michelfeld bei Schwäbisch Hall.

Als nächsten Schritt planen die drei cleveren Hamburger Jungunternehmer ein “Endlos-Regal”. Die Idee dahinter: Händler können vor Ort im Laden für ihre Kunden gewünschte Artikel, Varianten und Größen bei den Herstellern sofort nachbestellen — bevor diese ins Internet gehen, um ihr neues Lieblingsteil zu bekommen.

Kundenbindung durch schnelle Verfügbarkeit

Das Ziel ist klar: Mit Hilfe intelligenter Onlinedienste können Modehändler Kunden vor Ort halten, die Servicequalität erhöhen und dem Druck von Billigproduzenten, Modeketten und Onlineschnäppchen Stand halten. Über eigens entwickelte Schnittstellen sind Markenhersteller und Modehäuser schon heute mit der “Fashion Cloud” verbunden. Nun kommen neben Stammdaten auch Bestands- und Verkaufsdaten hinzu. Im nächsten Monat stellt das Hamburger Team seine Neuerungen auf der führenden Handels-Tech-Messe “EuroShop” in Düsseldorf vor.

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Mayoral-Messestand für Kindemode
Foto: Mrybka Visualizing Photography
CC-Lizenz BY ND 2.0 Es ist der Anfang einer spannenden Reise. Ein durchschnittliches Modehaus führt 150 bis 200 Modemarken, große Händler bis zu 600 und mehr. Zweimal im Jahr reisen die Einkäufer heute zu den Handelsmessen “Panorama” in Berlin und “CPD” in Düsseldorf.

Die Zukunft hat gerade erst begonnen

Anschließend stehen Besuche in den Showrooms der Hersteller auf dem Plan. Allein im “ModeCentrum” Hamburg sind rd. 350 Hersteller präsent, dazu in der Speicherstadt noch einmal 150 Anbieter. Jedes Modehaus hat seine Einkäufer, die jedes Jahr den eingelaufenen Trampelpfad zur neuen Kollektion nehmen.

Mit dem ersten digitalen Showroom am Firmensitz in Amsterdam und dem Roll-out für alle 40 Showrooms zeigt Tommy Hilfiger, wohin die Reise geht: Auswahl und Bestellung der neuen Kollektionen können in einer Reihe von Schritten digitalisiert werden. So kann die branchenübliche “Vor-Order” mit Hilfe digitaler Plattformen aus der Steinzeit ins Heute, Hier und Jetzt transferiert werden. Der Wettstreit um die Zukunft der Mode hat gerade erst begonnen.

Die drei sympathischen “Fashion Cloud”-Gründer haben mit ihrem 17-köpfigen Team gute Chancen, diese Zukunft aus Hamburg aktiv mitzugestalten — und unsere Stadt auch in der nächsten Generation als Deutschlands Handelsmetropole im Internet zu platzieren.

Originally published on Blogger

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Das Hanse Digital Magazin berichtet über die Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft Norddeutschlands — unter http://www.hansevalley.de/

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