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Hamburg Digital Report

Wenn Geschäftsbanken Probleme mit ihren Geschäften haben, wenn Filialbanken ihre Filialen schließen, wenn Universalbanken nicht mehr universal tätig sind — dann ist in der Bankenwelt nicht mehr alles in Ordnung: Eine seit 2008 anhaltende Finanzkrise, eine Nullzinspolitik mit weitreichenden Folgen und pfiffige Fintech-Startups, die mit digitalen Angeboten Servicelücken etablierter Player nutzen — all das macht es dem Privat-, Firmen- und Großkundengeschäft etablierter Finanzinstitute zunehmend schwierig.

Hamburg ist Deutschlands zweitgrößter Bankenstandort. Neben Deutschlands ältester und größter Sparkasse gesellen sich bekannte Geschäftsbanken und vor allem Reihe namhafter Privatbanken an Alster und Elbe. Namen, wie Berenberg, Donner & Reuschel, Goyer & Göppel, Hanseatic, Sutor und M. M. Warburg & Co. sind hoch angesehen. Was unternehmen Hamburger Privatbanken, um zusammen mit ihrer Kundschaft sicher in die digitale Zukunft zu kommen? Ein Hamburg Digital Report:

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Hamburger Stammhaus der Warburg-Bank
Foto: CC BY-SA 3.0 Garcia Das Jahr 1798. Die Brüder Moses Marcus und Gerson gründen im holsteinischen Altona die Warburg-Bank. Das Geldhaus handelt mit Devisen und Wechseln, finanziert für die Hamburger Kaufleute das Auslands- und Überseegeschäft. Die Merchantbank M. M. Warburg entwickelt sich zur Privatbank. Heute ist die Warburg-Gruppe mit rd. 8 Mrd. € Bilanzsumme, 1.200 Mitarbeitern und 22 Standorten in 13 Städten eine der großen Privatbanken in Deutschland. Das Bankhaus managt Assets seiner Kunden über 50 Mrd. €. Die ältesten Geschäftsbeziehungen gehen auf das 19. Jahrhunderts zurück.

Hamburg-Schanzenviertel, Kampstraße 7, unweit der Schanzenstraße. In dem unscheinbaren Bürohaus hat sich die W&Z FinTech GmbH eingemietet. Im Dachgeschloss arbeitet ein junges Team an disruptiven Finanzlösungen. Eine erste Recherche bringt die Multi Digital Banking App “Ownly” zu Tage. Nichts Besonderes, wenn man dem Namen trauen darf. Multibanking-Angebote mit Ahoi-API der Sparkassen oder Figo-API bei der Deutschen Bank sind keine Revolution und entwickeln sich zum Standard. Ein Blick hinter die Kulissen fördert jedoch eine interessante Geschichte zu Tage.

W&Z FinTech — der Digital-Inkubator von Warburg

W&Z FinTech ist keines der Tech-Startups, dass mit wenig Kapital aber vielen jungen Mitarbeitern versucht, die Welt zu verändern. W&Z steht für Warburg & Ziegert — die beiden Gesellschafter der jungen Firma. Gründer und Geschäftsführer Nicholas Ziegert erklärt: “Unser Haus muss sich immer an die äußeren Gegebenheiten anpassen.” Der Jurist ist seit 11 Jahren in der Warburg-Bank, arbeitete in den Bereichen IPO’s, M&A sowie als Assistent im Inhaberbüro an der Ferdinandstraße unweit der Binnenalster. Schließlich übernahm er den Aufbau der Abteilung für digitale Wirtschaft.

Mit dem Corporate-Startup geht Warburg einen eigenen Weg. Es geht um die Fortentwicklung des Stamgeschäfts mit Privatkunden, nicht um die Vergabe von Verbraucherkrediten mittels Amazon-Gutscheinen. Ziegert nennt es “unternehmerisches Engagement auf der grünen Wiese”. Dabei kann das junge Team in der Schanze auf das Know-how der Bank zurückgreifen. Damit ist W&Z ein interner Inkubator — vergleichbar den “Liquid Labs” von Otto Group Digital Solutions in der Poststraße am Jungfernstieg.

“Ownly” — digitale Vermögensverwaltung per App

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Homescreen der OWNLY-App
Foto: W&Z Fintech GmbH Im Fokus der hauseigenen “Ownly”-App steht die Vermögensverwaltung für jüngere Kunden. Es ist ein “Next Generation Private Banking”, z. B. für Söhne und Töchter Hamburger Unternehmer sowie für Selfmade-Unternehmer. In der “Ownly”-App haben Sie die Übersicht über alle Anlagen, z. B. Aktienpositionen, Edelmetalle, Immobilienanlagen, mobile Anlagen wie Boote oder Oldtimer, Unternehmensbeteiligungen, Pferdeƒ oder Versicherungspakete einschl. aktueller Rückkaufwerte. Über den verschlüsselten Import der Assets aus den verschiedenen Anlagekonten bekommen die jungen Nutzer einen Gesamtüberblick zu ihrem Vermögen.

“Die Warburg-Bank hat keinen Zugriff auf die Daten von W&Z”, versichert Nicholas Ziegert. Zwar ist Warburg Shareholder und Partner von W&Z FinTech. Doch mit “Ownly” geht es nicht um einen neuen Vertriebskanal, in dem man die bankeigenen Produkte “durchchanneln” kann. Der Schlüssel für künftige, nachhaltige Geschäftsbeziehungen ist die Philosophie. Versuchten Geldinstitute bislang vor allem ihre Produkte zu “pushen”, geht es in Zukunft immer stärker um die Service, den die Kunden per “Pull-Option” nutzen, wenn sie ihn brauchen.

Vom Finanzstatus zu Analysen und Verwaltung

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OWNLY-Macher Nicholas Ziegert
Foto: W&Z Fintech GmbH Der langjährige Jurist, erfahrene Banker und Digitalscout bei M. M. Warburg & Co, Nicholas Ziegert, bring das Ziel für “Ownly so auf den Punkt: “Be your own bank!” Kunden können ihre Anlagen transparent und eigenverantwortlich überschauen. Dann können sie informiert und die für sie besten Optionen auswählen und schließlich qualifizierte Entscheidungen auf Grundlage umfassendem Wissens treffen. Wenn die jungen, vermögenden Kunden den Informationsservice von “Ownly” schätzen, können sie im nächsten Schritt über die App auch Order auslösen.

“Ownly” könnte sich zu einer eigenen Plattform entwickeln und so das “Next Private Banking” werden. Um zu einem eigenständigen Bankingservice zu werden, sollen im nächsten Schritt Ziele und Erwartungen der Kunden in der Vermögensanlage berücksichtigt werden. Dazu bekommt die App eine Reihe von Analysetools zur Vermögensaufstellung, die die User individuell einsetzen können. Ziel ist es, für die Kunden individuell relevante Informationen und Angebotre zur Verfügung zu stellen.

Next Gen Private Banking aus der Schanze

Eine künftige Banking-App aus dem Schanzenviertel könnte drei Bereiche umfassen: 1. Ein anbieterunabhängiger Zugang zu Finanzprodukten, 2. digitale Entscheidungshilfen zur Vermögensverwaltung und 3. Individuelle Beratung mittels elektronische Kommunikation zu komplexeren Themen, wie Anlagestrukturen oder Nachfolgethemen. Unter dem Strich könnte “Ownly” nicht zuletzt dank des Know-hows der Mutterbank eine vollwertige Vermögensberatung werden, die via App transparente Informationen, zeitgemäße Kommunikation und passende Möglichkeiten der Kapitalanlage bietet.

Wenn eine der ältesten deutschen Privatbanken im 220. Jahr ihres Bestehens mit einem eigenen, digitalen Schnellboot im Schanzenviertel die nächste Generation vermögender Kunden abholt, stellen sich zu Recht einige interessante Fragen: Welche Impulse kann W&Z FinTech für das “Mutterschiff” liefern? Was kann der einstigen Handels- und heutigen Privatbanken-Gruppe helfen, die digitale Zukunft zu meistern? Und wo disruptieren digitale Produkte und Services das Stammgeschäft von Warburg?

Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach künftigen Bankstrukturen: Wie sehen Bankberater und Vermögensverwalter in Zukunft aus? Bekommen wir “Digitalberater”, die oberhalb des Standardgeschäfts die individuelle Anpassung digitaler Angebote vornehmen? Kein leichtes Thema in einem Verbund von Privatbanken und internationalen Tochtergesellschaften. Vielleicht finden die engagierten Jungbanker in der Kampstraße ja noch mehr interessante Antworten für die digitalen Veränderungen im Privatbanking am künftigen digitalen Finanzplatz Hamburg.

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Hamburg Digital Background:

Die W&Z FinTech GmbH und “Ownly”
http://ift.tt/2pBYtWg

Die Ownly-App im iOS App-Store
http://ift.tt/2pkMMju

Die M. M. Warburg & Co Privatbank

http://ift.tt/2pBPwvR

Originally published on Blogger

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Das Hanse Digital Magazin berichtet über die Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft Norddeutschlands — unter http://www.hansevalley.de/

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