HANSEINVESTIGATION: HAMMERBROOKLYN - Das digitale Feigenblatt und der 50 Millionen-Reibach.

Die Machenschaften um den geplanten Digital-Space “Hammerbrooklyn” — die Topstory bei Hamburger Abendblatt und Welt Hamburg. Seit Wochen diskutierte es die Hamburger Digitalszene: Der Initiator des Vorzeigeprojektes — HWWI-Direktor Prof. Dr. Henning Vöpel — ist ebenso raus, wie der Roland Berger-Digitalexperte Björn Bloching. Mit Nordpol-Chef Matthias Müller-Using und dem umstrittenen Kölner Immobilienentwickler Art Invest hat eine Garde Geschäftemacher das Ruder übernommen, denen es primär nicht um Digitalisierung geht.

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Schicke Fassade, großer Bluff? Digital-Space “Hammerbrooklyn”
Illustration: Art Invest

HANSEVALLEY liegen Informationen vor, worum es sich wirklich dreht. Der Digital-Space “Hammerbrooklyn” ist in dem Konzept der neuen Eigentümer offensichtlich nur ein günstiges Feigenblatt mit eingemietetem Coworking-Space. Es geht um Millionengewinne und einen Ex-Staatsrat, der sich sehenden Auges über den Tisch hat ziehen lassen. Ein Hamburg Digital Exklusiv zum umstrittenen Innovationspace “Hammerbrooklyn” — und was dahinter steckt:

Der Digital-Campus “Hammerbrooklyn” am Stadtdeich zwischen Fruchtkontor und Oberhafen: Er sollte zu einem Leuchtturm des neuen, digitalen Hamburgs werden. Mit dem an der Elbe wieder aufgebauten US-Pavillon der Expo 2015 aus Mailand bekam das visionäre Projekt ein Gesicht. Die ursprünglichen Initiatoren: Das renommierte Wissenschaftsinstitut HWWI, der Roland Berger Innovationshub “Spielfeld” und die zur Nordpol-Gruppe gehörende Innovationsagentur “Interpol”. Doch nun ist die Katze aus dem Sack.

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Schöne Worte, heiße Luft? Die Hausherren präsentieren “Hammerbrooklyn”
Foto: HANSEVALLEY

Auf der diesjährigen Digitalkonferenz “Solutions Hamburg” präsentierten sich die neuen Hausherren des von Henning Vöpel mit Senator Carsten Brosda angeschobenen Projektes erstmals auf großer Bühne. Noch dabei: Nordpol-Chef Matthias Müller-Using. Neu dabei: der langjährige G+J-Auslandschef und Investor Torsten-Jörn Klein sowie der Hamburger Niederlassungsleiter des Kölner Immobilienentwicklers Art Invest, Johannes Lichtenthaler. Mit bunten Broschüren und noch bunteren Worten warben die Macher für ihre kostenpflichtigen Mitgliedschaften im neuen “Digital Space”.

Warum übernimmt ein Immobilienentwickler bei Hammerbrooklyn die Führung?

Warum waren Initiator Henning Vöpel und Digitalexperte Björn Bloching nicht dabei? Warum spielt ein Kölner Immobilienentwickler eine Schlüsselrolle — bei einem Pavillon in Fertigbauweise? Und wie wird das Geld für den bereits in Deutschland zwischengelagerten “Digital Pavillon”, das benachbarte geplante “ITS-Solution Building” und den Betrieb verdient? Ein Blick auf die Homepage des nicht nur in Köln in die Schlagzeilen geratenen Immobilienentwicklers Art Invest gibt die Antwort: “Erkennen. Entwickeln. Erschaffen.” lautet das Motto der Geschäftemacher.

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Vorn Fassade, hinten Millionendeal? Das Areal von “Hammerbrooklyn”
Grafik: Nordpol

Die beiden geplanten Pavillons auf dem Parkplatz vor dem Fruchthof nehmen eine Fläche von 10.000 qm ein. So weit, so bekannt. Doch in dem auf 105 Jahre zwischen Projektpartner Art Invest und der Freien und Hansestadt Hamburg geschlossenen Pachtvertrag im Erbbaurecht stehen 50.000 qm Fläche. Und damit bekommen die zweifelhaften Aktivitäten der neuen Bauherren Sinn, denn: Die hinter den Pavillons liegende Fläche ist das eigentliche Highlight: 40.000 zu entwickelnde Immobilienfläche, 800 Meter vom Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof entfernt und über die Oberhafenbrücke direkt mit der östlichen Hafencity verbunden: “Erkennen. Entwickeln. Erschaffen.”

Warum hat sich die Senatskanzlei von Art Invest über den Tisch ziehen lassen?

Während vor den Kulissen für lau mit großen Namen, wie Deutsche Bahn, Hochbahn, ITS, Siemens und Volkswagen geworben wird, plant man hinter den Kulissen mit Büros und Wohnungen den ganz großen Reibach: Experten schätzen den Wert des Grundstücks bei einem Verkauf auf 50 Mio. € — verschenkt für 105 Jahre von Ex-Staatsrat Christoph Krupp (SPD) in freihändiger Vergabe, von der der Landesrechnungshof noch nichts wissen dürfte. Zwar wollte der Ex-Chef der Senatskanzlei eine Stiftungslösung, um den “Digital Space” zum Leben zu erwecken, doch die neuen Eigentümer lehnten eiskalt ab. Der Senat lies sich über den Tisch ziehen.

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Hier soll einmal der US-Pavillon der Expo 2015 als “Digital Space” stehen.
Foto: HANSVALLEY

Hinter vorgehaltener Hand werden die drei Verantwortlichen nicht umsonst als “Ganoven” bezeichnet. Schließlich haben sie die Initiatoren des Projektes mehr oder weniger vor die Tür gesetzt, mit zweifelhaften Angeboten für lächerliche 10% Beteiligung abspeisen wollen und verkaufen sich gegenüber Öffentlichkeit als Gutmenschen ins Sachen Digitalisierung. Die Wahrheit sieht jedoch wohl anders aus: Mit Stand heute soll lediglich ein Coworking-Betreiber den “Digital-Space” bewirtschaften. Von wissenschaftlicher Begleitung digitaler Innovationsprojekte ist weder schriftlich noch öffentlich was zu hören.

Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann ist gefordert, den Schmuddeldeal der Senatskanzlei in Ordnung zu bringen. Wie FDP-Fraktionschef Michael Kruse zurecht fordert, gehören alle Beteiligten an einen Tisch. Dabei muss der Senat den “schlechten Deal” korrigieren, den wohl nicht immer ehrbaren Immobilienentwickler Art Invest in die Schranken weisen und eine für Hamburg vorbildliche Lösung finden. Ansonsten könnte dem rot-grünen Senat ein gewaltiger Immobilienskandal die kommende Bürgerschaftswahl verhageln und die SPD auch in Hamburg auf ihren Bundestrend einschwenken.

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Das Hanse Digital Magazin berichtet über die Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft Norddeutschlands — unter http://www.hansevalley.de/

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